Caesarius von Heisterbach

In der Nähe des Tagungsortes unserer KLIO Lan­desgruppe Rheinland-Süd, Haus Schlesien in Heisterbacherrott (= Heisterbacher Rodung) liegt die Ruine des Klosters Heisterbach. Dort wirkte im 13. Jahrhundert der Mönch Caesarius. Er wurde etwa 1180 in oder bei Köln geboren und starb nach 1240 im Kloster. Sein genaues Todesjahr ist unbe­kannt, den ungefähren Zeitpunkt hat man aus sei­nem Werk erschlossen.

Die Mönche des Klosters Heisterbach gehörten zum Orden der Zisterzienser. Dieser entstand um 1100 als eine Protestbewegung gegen das beste­hende benediktinische Mönchtum, dem Prunksucht und Verrat des Armutsideals vorgeworfen wurden. Der Orden der Zisterzienser zeichnete sich anfangs durch die strenge Befolgung der benediktinischen Mönchsregel, besonders durch Strenge und Ein­fachheit in der Lebensweise aus und legte großen Wert auf körperliche Arbeit. Jeder Mönch hatte an den Wochentagen fünf bis acht Stunden körperliche Arbeit zu verrichten. Deshalb siedelten sich die Klöster meist in unwirtlichen Gegenden an.

Die ersten zwölf Mönche der Klostergemeinschaft im Siebengebirge stammten aus dem Kloster Him­merod in der Eifel und bezogen im Jahr 1189 ver­lassene Klostergebäude auf dem Petersberg. Weil es dort am Nordhang im Winter gar zu unwirtlich war, zogen die Mönche 1192 in das Tal unterhalb des Petersberges und gründeten dort das Kloster Heisterbach (Heister = Weißbuche).

Das Ordenskleid der Zisterzienser bestand aus ei­ner Kutte aus ungebleichter Wolle, war also „grau-gelblich“. Daher wurden die ersten Mitglieder des Ordens auch die „grauen Mönche“ genannt. Die Kutte wur­de von einem Gürtel aus schwarz-brauner Wolle oder schwarzem Leder zusammengehalten. Dar­über wurde ein schwarz-braunes Skapulier und ei­ne ebensolche Kapuze angelegt. Alle Kleidungsstü­cke wurden solange getragen, bis die Schicklichkeit einen Ersatz forderte. Daher waren sie, strapaziert durch die Arbeit in Wald und Feld, häufig ausge­franst, fadenscheinig und geflickt. So sollte die menschliche Eitelkeit abgetötet werden.

Caesarius trat 1198 oder 1199 in das Kloster ein und wurde dort im Laufe der Zeit Novizenmeister, später Prior. Er war hoch gebildet und verfasste zahlreiche Schriften, zunächst Predigten und Ausle­gungen der Evangelien, dann als Novizenmeister Erzählungen (Exempla), die dem Unterricht dienten. Schließlich verfasste er auch historische Schriften, wie z.B. ein „Leben der heiligen Elisabeth“.

Seine Erzählungen begründeten maßgeblich seinen Ruf als Schriftsteller. Sein Hauptwerk ist der Dialogus miraculorum, eine für die Novizen be­stimmte „geistliche Anekdotensammlung“, die eine wertvolle Quelle für die Kulturgeschichte seiner Zeit ist (Kirchenlexikon). Seine Hauptquelle war die mündliche Tradition. Caesarius zeichnete alles auf, was ihm von anderen, Geistlichen oder auch Laien, an merkwürdigen Begebenheiten erzählt wurde.

Zum Teil verarbeitete er eigene Erlebnisse, anderes entnahm er Literaturwerken. Caesarius stellt Un­glaubliches, Märchen und Sagenhaftes als wirkliches Geschehen hin, während er umgekehrt Alltägliches als Wunder betrachtete. Teilweise ges­taltete er auch selber Begebenheiten zu Wundern um. Der Versuch, in allem ein Wunder zu sehen, sollte eine moralische Wirkung entfalten, aber auch dogmatische Sätze beweisen. Damit war Caesarius ein bezeichnender und wichtiger Vertreter für das Wundererleben und den Glauben seines Ordens e­benso wie der breiten Masse des Volkes.

Die Zinnfigur zeigt den Mönch Caesarius, wie er am Schreibpult stehend an seinem Dialogus miraculorum schreibt, den Geschichten von den Wundern und Gesichten seiner Zeit. Er scheint gerade eine schöpferische Idee zu entwickeln, denn er kaut am Ende seines Federkiels und reibt sich mit dem rechten Fuß seine linke Wade—eine typische Er­satzhandlung. Dabei lächelt er verschmitzt. Seine rechte Holzsandale steht leer am Boden. Natürlich trägt er als echter Zisterzienser solch einfaches „Schuhwerk“, seine Kutte ist geflickt und das Ska­pulier ausgefranst. Es ist mein Bild von Caesarius dem Mönch und Schriftsteller.

Friedrich Giesler


54mm-Flachfigur der KLIO-Landesgruppe Rheinland Süd
(Zeichnung: Friedrich Giesler, Gravur: Gerald Nadebor, Bemalung: Friedrich Giesler)

Dieser Artikel wurde erstmals in der „Zinnfigur" Heft 1/2-2011, S. 29, und in der „RheinZinn“ Heft 2011/1, S. 30 f. veröffentlicht.


Vignette „Torbogen“

Zur Figur des Mönchs Caesarius von Heister­bach hat unser Sammlerfreund Bernd Kufahl in bewährter Qualität eine passende Vignette „Torbogen" im Format 11,5 x 10 cm aus grauem Kunststoff geschaffen. Diese kann— nach entsprechender Grundierung — auch bemalt werden. Die Zinnfigur kann mit dem Fußbrettchen in einen passenden Schlitz der Vignette einge­führt werden, so dass ein Abschneiden des Fuß­brettchens nicht erforderlich ist.