„Lehm op

Das Husaren-Regiment König Wilhelm I. (1. Rheinisches) Nr. 7

Anmerkungen zu den  „Bonner Husaren“

(Auszüge aus einem Artikel von Heinz-Peter Ebert in der RheinZinn 2002/1)

Die erste Figur der Serie wurde als Jahresfigur 2000 von der Landesgruppe in den Standartgrößen 30 und 54 mm herausgegeben. Sie stellt einen Offizier zu Pferd in Paradeuniform kurz vor dem 1. Weltkrieg dar. Der Offizier (zur Bemalung am besten: Leutnant/Rittmeister) salutiert mit dem Säbel während der Parade.

Die Situation wird in der einschlägigen Dienstvorschrift folgendermaßen beschrieben:

"Salutieren der Offiziere.

Zu Pferde wird das Seitengewehr [d.h. der Säbel] mit dem Gefäß senkrecht vor die Mitte der Brust gebracht und dann langsam soweit gesenkt, daß der rechte Arm natürlich am Körper herabhängt. Die rechte Hand hat das Seitengewehr so gefaßt, daß der Daumen flach auf der vorderen Breitseite des Griffes ruht. Die Klinge hängt senkrecht herunter, die Schneide dem Pferde zugekehrt, die Spitze hinter dem rechten Sporn." (Nr. 544 Abs. 1 der D.V.E. Nr. 299 "Exerzier-Reglement für die Kavallerie" v. 03.04.1909)

Aus der Geschichte der "Bonner Husaren":

Das Regiment wurde im Jahr 1815 als "7. (Westpreußisches) Husaren-Regiment" in Wriezen/Oder aus einer Eskadron der 1. Leib-Husaren und zwei Eskadronen des Schlesischen National-Husaren-Regiments errichtet (Stiftungstag: 07.03.1815). Seit 1888 führte es die oben in der Überschrift angegebene Bezeichnung.

Die wichtigsten Garnisonsorte waren:

1815:         Inowrazlaw

1817:         Polnisch-Lissa

1832:         Posen

seit 1852: Bonn

Das Regiment war in Bonn lange provisorisch auf verschiedene Liegenschaften verteilt. Die letzte Unterbringung erfolgte 1907 im wesentlichen konzentriert in der neuen "König-Wilhelmkaserne" vor dem Kölntor an der (jetzt sog. Grau-) Rheindorfer Straße. An die Kaserne erinnert heute die Husarenstraße. Von den Gebäuden ist allein (gut erhalten) das Offiziers-Kasino (sog. Offiziers-Speiseanstalt) an der Ecke Graurheindorfer Str./Augustusring.

Der Exerzierplatz der Bonner Husaren lag im Tannenbusch ("Sand"). Da dieser Platz zu klein war, wurde nach dem Bau der Rheinbrücke (1898) rechtsrheinisch ein größerer Übungsplatz in der Hangelarer Heide erworben.

Wann das Regiment aufgelöst worden ist, kann nicht genau gesagt werden. Zu Beginn des 1. Weltkrieges gehörte das Regiment zum VIII. Armeekorps (16. Div.). Der Stab und die einzelnen Eskadronen wurden im Jahre 1916 geteilt und trafen sich erst nach dem Waffenstillstand im Dezember 1918 in Lengerich bei Hannover wieder, da eine Rückkehr nach Bonn durch die Siegermächte nicht gestattet war. Am 7. Dezember begann dort die Demobilmachung durch die damit beauftragte Ersatz-Eskadron. Diese wurde zum 31. Dezember 1918 aufgelöst. Teile des Regiments fanden später noch Verwendung im Grenzschutz in Wesel (1. Februar 1919) und in Oberschlesien (23. Mai 1919).

Abbildungen

Zu der Zinnfigur ist eine Farbtafel erschienen, die z.T. auch in "Die Zinnfigur" (Zeitschrift der KLIO – Deutsche Gesellschaft der Freunde und Sammler kulturhistorischer Zinnfiguren e.V.), Heft 3/2001, Seite 105 veröffentlicht ist.

Die erste Abbildung ist ein signiertes und im Original erkennbar (auf den 21.2.1891) datiertes Foto aus dem bekannten Bonner Fotoatelier Schafgans. Dargestellt ist Feldmarschall von Loe, der 1867 bis 1871 Kommandeur des Regiments war.

Der hier abgebildete altkolorierte Stich stammt aus der Zeitschrift "Der Soldatenfreund" (wohl kurz nach 1867) und zeigt den damaligen König Wilhelm als Chef des Regiments im Jahr 1867.

Abbildungen von Original-Fotografien, die das Regiment bei der Parade zeigen (zumeist handelt es sich um die Kaiser-Parade auf der Hofgartenwiese 1902) finden sich zahlreich bei den unten angegebenen Quellen (Nr. 3, 6, 7, 15 und 18).

Übrigens: "Lehm op" (Lehm herauf!) hieß der Begrüßungsruf der Bonner Husaren. Diesen Ruf hatten die Soldaten auf dem Weg zum Exerzierplatz "Sand" von Arbeitern der zahlreichen auf dem Weg dorthin gelegenen Ziegeleien aufgeschnappt. Dort war "Lehm op" das Kommando, mit dem die Ziegelbäcker den Gehilfen unten in der Grube signalisierten, dass sie neuen Lehm heraufbefördern sollten. Aus der zunächst scherzhaften Erwiderung des Rufes durch die vorbei reitenden Husaren wurde schnell ein regulärer, allgemein in der Armee bekannter Gruß und der besondere Schlachtruf in den Kriegen von 1866 und 1870/71.

 

Literaturhinweise:

1.)          Boenisch, Die Husaren-Regimenter der alten Armee, „Feldgrau“ Sonderhefte 1 (1953) und 4 (1955)

2.)          v. Deines/v. Türcke, Das Husaren-Regiment König Wilhelm I. (1. Rheinisches) Nr. 7 von der Formation des Stammregiments bis zur Gegenwart, Berlin, 2. Aufl. 1904

3.)          dto., Neubearbeitung und Zusammenstellung von Heinz Drolshagen, Lt. d.R. des Vereins „1. Rheinisches Husarenregiment Nr. 7 zu Mönchengladbach. Anläßl. des 175jährigen Bestehens des Regiments 1815-1990, Mönchengladbach 1990

4.)                       D.V.E. Nr. 299 „Exerzier-Reglement für die Kavallerie“ v. 03.04.1909

5.)          D.V.E. Nr. 317 „ Bekleidungsvorschrift für die Offiziere, Sanitätsoffiziere und  Veterinäroffiziere des Königlich Preußischen Heeres“ v. 15.05. 1899, Neuabdruck 1911 (Nachdruck Olmes, Krefeld 1973)

6.)          Festbuch zum Regimentsappell des ehemaligen Husaren-Regiments König Wilhelm I. (1. Rhein.) Nr. 7 vom 12. Bis 14. Juni 1926 in Bonn a. Rh.

7.)          dto. zum 2. Regimentsappell verbunden mit der Enthüllung des Regiments-Denkmals vom 20. bis 22. September 1930 in Bonn am Rhein

8.)          Hagger, Hussars an Mounted Rifles, Uniformes of the Imperial German Cavalry 1900- 1914, GB 1974

9.)          Jürgens, Uniformen des deutschen Heeres im Juli 1914. Zugleich Erläuterungen zu den  Bildern zur Uniformkunde gezeichnet v. Knötel/Schack, Heft II. Kavallerie, Hamburg 1956

10.)      Kersten, Das deutsche Reichsheer 1871-1914, Die Husaren, in „Zeitschrift für Heereskunde“ (ZfH) 1986 S. 6 ff., 35 ff.

11.)      Knötel/Pietsch/Collas, Uniformenkunde, Das Deutsche Heer, Friedensuniformen bei Ausbruch des Weltkrieges, 3 Bde., Stuttgart, 2. Aufl. 1982

12.)      Krippenstapel/Knötel, Die Preußischen Husaren von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, Berlin 1883 (Nachdruck Olmes, Krefeld 1970)

13.)      Pietsch, Formations- und Uniformierungsgeschichte des preußischen Heeres 1808 bis  1914, Bd. II: Kavallerie u.a., Hamburg, 2. Aufl. 1966

14.)      Schulz, Die Preußischen Kavallerie-Regimenter 1913/1914, Friedberg 1985

15.)      Sonntag, Bonn in der Kaiserzeit 1871-1914, Eine Ausstellung zum 100jährigen Jubiläum des Bonner Heimat- und Geschichtsvereins im Rhein. Landesmuseum, Bonn 1986

16.)      Verein ehemaliger Königshusaren „Lehm op“ Köln 1889-1929, Festschrift für die Feier des 40jähr. Bestehens am 5. Mai 1929

17.)      Zeigert, Bonn und seine Soldaten, Geschichte der Garnison Bonn ..., Bonn 1985

18.)      v. Zitzewitz, Das Husaren-Regiment König Wilhelm I. (1. Rheinisches) Nr. 7 Jahre 1902 bis zum Ende des Krieges 1914-18, Zeulenroda o.J.

Weiteres Bildmaterial


Rittmeister Frhr. v. d. Goltz bei Hühnerwasser 26. Juni 1866

Das Gefecht bei Hühnerwasser war das erste Gefecht des Deutschen Krieges zwischen Preußen und Österreich. Beteiligt war vor allem Infanterie. Die Kavallerie, hier österreichische und preußische Husaren, war vor allem in die Rückzugsgefechte der Österreicher verwickelt.

 


St. Quentin, 19. Januar 1871, Rückzugsgefecht zwischen Chasseurs d’Afrique und Königshusaren

Schlacht zwischen der französischen Nordarmee unter Kommando von General Faidherbe und der deutschen 1. Armee unter Kommando von General von Goeben

 

 

 


Parade auf der Bonner Hofgartenwiese um 1900

 


Holzstich ( Xylographie ) von 1898: " Reitübungen der Königshusaren "

 


Stich von 1897


Holzstich 1897

 


Stich von 1897

 

Das Regiment wurde 1815 als 7. Westpreußisches Husaren-Regiment unter anderem aus Truppenteilen des ehemaligen Schlesischen National-Husaren-Regiments errichtet und hatte seine Garnison in Posen. Von 1852 bis zur Auflösung des Verbandes war es in Bonn stationiert. Die Husaren waren der 15. Division unterstellt. Das Regiment führte seit 1857 den Namen des Chefs, des preußischen Königs und späteren deutschen Kaisers Wilhelm I. als Zusatz.

Einsätze

Das Regiment nahm unter anderem an den Befreiungskriegen 1813/15, am Preußisch-Österreichischen Krieg 1866, am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und am Ersten Weltkrieg teil.


Kaiserparade des 8. Armeecorps im Jahre 1877 bei Euskirchen.

Der 80jährige Kaiser Wilhelm I. (rechts) führt sein Regiment, die Bonner Königs-Husaren, der Kaiserin vor.

Spuren

Das Offizierskasino


Das Haus wurde 1903 bis 1907 als Offizierskasino für das Husarenregiment Nr. 7 erbaut. Die Kasernen der Husaren befanden sich ebenfalls in der Graurheindorfer Straße und zwar auf dem Gelände, auf dem später die Gebäude der Bundesministerien für Finanzen und des Inneren gebaut wurden. Die Kaserne wurde 1969 abgerissen.

Das Offizierskasino ist im Neo-Rennaissance-Stil errichtet und weist vereinzelt Jugendstilelemente auf. Das Gebäude ist weitgehend in seiner ursprünglichen Form erhalten.

Das Husarendenkmal


Husarendenkmal am Alten Zoll in Bonn (vor der Zerstörung)