Hafenleben am Rhein in der Biedermeierzeit

zu der Serie der KLIO Landesgruppe Rheinland-Süd e.V.

Die Serie umfaßt folgende Figuren Den Andernacher Rheinkran, einen Pferdekarren, einen Kutscher, einen Faßroller, drei „klaafende Wiever“ (schwätzende Frauen) und eine „Keulsche Aak“  (Kölner Aak, ein typisches Frachtschiff der Zeit) vor Anker und eine unter Segel als verschieden große Hintergrundfiguren.

Im Zentrum der Serie steht zweifelsohne der Kran. Er wurde nach einem kolorierten Stich von 1798 geschaffen. Das Bild zeigt den Blick auf Andernach von Norden. Rechts liegt die Stadt, in der Mitte die Hafenbucht und links ist der Kran zu sehen, der etwas schlanker ist als in Natur. Der Wellenbrecher auf der Südseite des Krans ist durch diesen verdeckt. Am Ausleger hängt eine kreuzförmige Kette mit zwei Haken (richtiger wäre sicher eine „Schere“ zum Verladen der Mühlsteine, aber das wußte der Stecher offenbar nicht, als er die Skizze umsetzte).

Das Bauwerk wurde in den Jahren 1554 bis 1559 nach Plänen des Kölner Werkmeisters Clais Meußgin auf einer in den Rhein vorragenden Bastion erbaut, um einen weniger leistungsfähigen Vorgänger zu ersetzen, der in den Annalen dar Stadt seit 1476 bezeugt Ist, und war bis 1911 in  Betrieb. Es ist sowohl als künstlerisches wie als technisches Denkmal bemerkenswert und gilt als einer der schönsten noch erhaltenen Tretradkrane. Die Tretmühle befindet sich in dem massiv gemauerten Kranhaus von fast 35 Metern Umfang, das mit Motiven der Spätgotik und Renaissance sowie mit einem reich verzierten Fries aus Tuffstein und vier Wasserspeiern (die an der Zinnfigur fehlen) geschmückt ist. Über der einen Tür befindet sich ein Tuffrelief mit einem Engel, der das Stadtwappen (zwei gekreuzte Schlüssel vor dem Kreuz des Erzbistums Köln) hält. Das alte Triebwerk ist noch funktionsfähig

Mit dem Kran wurden hauptsächlich Mühlsteine aus Mayener Basaltlava verladen, die besonders abriebsfest sind. Mahlsteine aus diesem Material wurden bereits in der Steinzeit hergestellt und schon im 10. Jahrhundert weithin exportiert (einige wurden in der wikingischen Handelssiedlung Haithabu in Schleswig-Holstein ausgegraben). Im 19. Jahrhundert bestand für diese Mühlsteine besonders In Holland eine große Nachfrage. Sie wurden per Wagen nach Andernach transportiert und hier auf Schiffe umgeladen. Deshalb sollte der Kran eigentlich mit einer Schere ausgestattet sein.

Zur Kolorierung der Zinnfigur lassen sich folgende Angaben machen: Der Rundbau ist heute hell verputzt. Er könnte früher auch in einem hellen Ockerton gestrichen gewesen sein. Die unverputzten Steine des Bauwerks sind aus dunkelgrauer Basaltlava (Sockel, Konsolen unter dem Bogenfries, Fenster- und Türumrahmungen und Maulscharten) und hellgrauem Tuff (Bogenfries, Pilaster der Brüstung. Relief über der Tür), das Dach ist mit blaugrauem Schiefer gedeckt. Der Kranarm ist aus Eichenholz (es wird im Alter graubraun), teilweise mit Bleiplatten gegen Nässe geschützt und mit rostroten Eisenbändern verstärkt. Das Hebewerk besteht aus Seilen, von der Rolle hängt eine rostige Kette herab.

Literatur zum Kran:

 

Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler (Rheinland-Pfalz und Saarland) 1972

Otto Saeger, Kraniche aus Holz und Stein, in: Damals, Heft 3, 1997, S. 46-50

Sonstige Bemalungsangaben

Der zweirädrige Pferdekarren war ein weit verbreitetes landwirtschaftliches Fahrzeug und Transportmittel. Er bestand in der Regel aus unbehandeltem Holz, das im Laufe der Zeit eine braungraue Farbe annimmt. Das Pferd könnte ein Dunkelbrauner sein.

Der Kutscher trägt Holzschuhe und einen graublauen Fuhrmannskittel. Das Halstuch könnte rot sein, die Hose braun-beige, der Hut grauschwarz. Die Pfeife hat ein schwarzes Mundstück und einen rotbraunen Kopf. Der Eimer ist naturholzfarben. Die Peitsche hat einen braunen Stiel und eine helle Schnur.

Der Fassroller hat eine dunkle Hose an, Hemd und Mütze sind von einem gelblichen Weiß. Die Schürze ist aus bräunlichem Leder. Das Faß ist graubraun mit schwarzen Reifen.

Die Frauen tragen ländliches bzw. kleinstädtisches Kostüm. Die Landfrau könnte z.B. einen roten Rock, darüber eine hellockerfarbene Arbeitsschürze, weißes Brusttuch und Bluse und schwarzes Mieder tragen, dazu ein rotes Kopftuch. Die mittlere Städterin erhält vielleicht ein grün-weiß gestreiftes Kleid mit weißem Kragen und Gürtel, einen grünen Hut mit gelbem Band. Die andere ein blaues Kleid mit Schultercape und weiße Schürze und Häubchen. Ihre Strümpfe könnten weiß sein, Die Körbe sind aus naturfarbenem Weidengeflecht, die Schuhe dunkel.

Das Frachtschiff darf als Nutzfahrzeug nicht zu bunt gestaltet werden. Alles hat seine natürlichen Farben, Holz, Seile und Leinwand. Stehende Leinen der Takelage können geteert sein, wie auch die untere Partie des Rumpfs und die Ladelukenabdeckungen. Die obersten zwei Planken des Rumpfs können mit Ölfarbe gestrichen sein, z.B. Meerblau oder Grün. Auch die Kleidung der Besatzung ist eher dem tristen Teil der Palette zu entnehmen. Farbe kommt nur bei den Wimpeln und der Flagge ins Spiel: Das Kurkölsche schwarze Kreuz auf weißem Grund, die niederländische Trikolore, ein roter Wimpel kommen in Frage. Hier kann man die Phantasie etwas walten lassen (solange man alle Farben etwas bricht, wie es sich bei Nutzfahrzeugen gehört).

Zur Ergänzung kann man recht gut Figuren diverser anderer Hersteller verwenden, z.B. eine Postkutsche (die Straße von Bonn nach Koblenz führt direkt vorbei), Handwerksburschen oder englische Touristen, die in Andernach Station auf ihrer fashionablen Rheintour machen (womit man noch ein kulturhistorisch bedeutsames Element - die Entstehung des Tourismus - mit ins Bild gebracht hätte), Kinder, weiche die Fremden begaffen. Das Bild ist, wie man sieht, beliebig ausbaubar.